Міністерство освіти і науки України
Донецький національний
університет
Методичні вказівки та завдання до практичних занять
до курсу “Історія німецької мови”
(на основі “Татіана” - пам’ятника давньоверхньонімецької мови)
для студентів спеціальностей “німецька філологія” і “переклад”
Затверджено
на засіданні кафедри германської філології факультету
романо-германської філології
Протокол № 1
від 05.09.2002
Зав. кафедрою ![]()
доктор філол. наук, проф. В.Д.Каліущенко
Донецьк ДонНУ 2002
ББК Ш 12 = 432.4.9. - 30
Методичні вказівки та завдання до практичних занять
до курсу “Історія німецької мови” (на основі “Татіана” - пам’ятника
давньоверхньонімецької мови) – для студентів спеціальностей “німецька
філологія” і “переклад” - Донецьк: ДонНУ, 2002 / А.А.Пузік. - Донецьк: ДонНУ,
2002. - 29 с.
Посібник містить вказівки
щодо читання та перекладу окремих розділів пам’ятника давньоверхньонімецької
мови “Татіана”. Вони покликані допомогти студентам подолати
труднощі, які виникають при читанні та аналізі вище зазначеного тексту. Окрім
того, посібник містить практичні завдання для аналізу словоформ, які
зустрічаються в тексті. Розв’язанню проблем морфологічного та фонетичного
аналізу іменників, прикметників та дієслів сприяють приклади аналізу
найскладніших випадків та таблиці.
Для студентів
спеціальностей “німецька філологія” і “переклад”.
ББК Ш 12 = 432.4.9. - 30
Укладач: А.А.
Пузік, канд. філол. наук, доц.
Відповідальний
за видання: В.Д. Каліущенко,
д-р філол. наук, проф.
Рецензент: В.Д. Каліущенко,
д-р філол. наук, проф.
© А.А. Пузік, 2002
© Донецький національний університет, 2002
VORWORT
E Þ In diesem Heft
werden die Studierenden mit authentischen althochdeutschen Texten (Auszüge
aus „Tatian“) konfrontiert. Sie werden aber mit den Komplizien des Lautlesens,
der Analyse von einzelnen Formen und der Übersetzung ins Neuhochdeutsche
nicht allein gelassen, sondern bekommen immer wieder Hinweise und
Musterlösungen. Die schwierigsten Fälle im Text sind mit den
Kommentaren versehen. Die erfolgreiche Arbeit an den althochdeutschen Texten
setzt aber eine fleißige Lektüre des methodischen Teils voraus.
„Tatian“ ist der Name eines syrischen
Kirchenschriftstellers des 2. Jahrhunderts, der anfangs in Rom, um 150 Christ, später im Orient angeblich Stifter der
gnostisch-rigoristischen Sekte der Enkratiten war. Er ist Verfasser einer syrisch oder griechisch
geschriebenen Evangelienharmonie (Zusammenstellung aus allen 4 Evangelien zu
einem einheitlichen Bericht über das Leben Jesu; die älteste bekannte
Evangelienharmonie), die im 6. Jahrhundert ins Lateinische übersetzt
wurde. Die althochdeutsche Übersetzung des Diatessaron
(=Evangelienharmonie), die um 830 im Kloster zu Fulda entstand, ist eines der
wichtigsten frühen deutschen Sprachdenkmäler. Das Manuskript ist eine
Übersetzung aus dem Latein ins Ostfränkische und beinhaltet 2 Texte:
Latein und Althochdeutsch. Es soll auch darauf hingewiesen sein, dass 280
Wörter (aus 2030) in keinem anderen althochdeutschen schriftlichen Denkmal
anzutreffen sind.
METHODISCHER TEIL
1. Schreibung
und Aussprache.
Die althochdeutsche Sprache ist unmittelbar nur anhand
ihrer schriftlichen Überlieferung greifbar. Die schriftliche Niederlegung
althochdeutscher Texte erfolgte anhand des lateinischen Alphabets. Das
lateinische Alphabet ist eine Buchstabenschrift, das heißt, dass die
Einzelelemente dieser Schrift, nämlich die Buchstaben, in Beziehung zur
Lautseite der Sprache und deren Einzelelementen stehen. Das lateinische Alphabet
ist aber für die schriftliche Erfassung fremder Sprachen - in diesem Fall
des Deutschen - nur bedingt geeignet, denn der Vorrat an Schriftzeichen reicht
nicht aus, um die lautliche Seite der anderen Sprache vollkommen abzubilden.
Die
Aussprache des Althochdeutschen ist aus dem Vergleich mit der heutigen
Aussprache in der deutschen Gegenwartssprache und in den Dialekten, aus der
schriftlichen Überlieferung, insbesondere im Reim, und aus dem Vergleich
mit verwandten Sprachen rekonstruiert. Für das Althochdeutsche ist von
folgenden Verhältnissen auszugehen.
Im Vokalismus gilt: Alle
Vokale sind kurz zu lesen, wenn sie nicht im Textabdruck durch einen Zirkumflex
(^)als Langvokale gekennzeichnet
sind. Die Wörter geba, tage (Tatian 12,1)
enthalten also nur Kurzvokale. Die im Neuhochdeutschen eingetretene Dehnung ist
bei der Aussprache des Althochdeutschen durchaus zu vermeiden. Die Langvokale
des Althochdeutschen werden also â, ê, î, ô, û
geschrieben. Die Diphthonge ei, ou,
uo, ua, ie, ia, io und iu
werden als Diphthonge mit Betonung des ersten Bestandteils gesprochen, auch
im Falle des <ie>, das
im Neuhochdeutschen den Lautwert [i:] hat. Aufgrund des Wechsels zwischen den
Buchstabenformen u und
v im lateinischen
Alphabet kann <v> den Lautwert u haben, zum Beispiel
vnde = unde.
Hinsichtlich der Betonung
der Wörter ist zu merken, dass die Anfangsbetonung auf der Wurzel
beizubehalten ist, auch wenn das Wort in einer anderen Silbe einen Langvokal
hat: 'strangêta.
Im
Konsonantismus kann für eine ganze Reihe von Buchstaben in
etwa von den heutigen Lautwerten ausgegangen werden, so etwa bei <l>,
<r>, <m>
und <n>. Ferner sind <p>, <t>, <k> und
<b>, <d>, <g> als die entsprechenden
stimmlosen und stimmhaften Verschlusslaute zu sprechen (Belege aus Tatian
12,1):
|
<p> |
spâhidu
|
|
<t> |
gotes |
|
<k> |
kneht |
|
<b> |
geba |
|
<d> |
eldiron |
|
<g> |
tage |
Auch im Auslaut sind <b>, <d>, <g> im Althochdeutschen stimmhaft, nicht stimmlos
auszusprechen; die sogenannte Auslaurverhärtung tritt erst in
mittelhochdeutscher Zeit ein; man vergleiche hierzu folgende Tatian-Stellen: uuard
(12,2), uueg (12,3), gib (87,2).
Die Schreibung <th> bezeichnete im früheren Althochdeutschen noch einen
stimmhaften Reibelaut entsprechend dem heutigen englischen th im Artikel
the. Die Aussprache geht dann zu d über. In der
Tatian-Übersetzung kann schon [d] gelesen werden: ther (Tatian 12,1) = der.
Neben der Schreibung <k> begegnet mit
demselben Lautwert [k] auch die Schreibung <c> wie in gicostôt (Tatian 15,1), giscriban (15,3).
Die Schreibung <ph> hat
den Lautwert [pf]: gilimphit (Tatian 12,7).
Die Schreibung <z> kann
einerseits, wie im Neuhochdeutschen, den Lautwert [ts] repräsentieren: zi (Tatian 12,2).
Andererseits kann sie auch einen s-Laut darstellen: thaz (Tatian 12,2).
Mit dem Lautwert [ts] erscheint ferner auch <c>, so etwa cît neben zît. Im
Inlaut steht <zz> für [ts]: sizzantan (Tatian 12,4); diese
Graphie kann jedoch auch für einen s-Laut stehen: uuazzar (Tatian
87,3).
Die Schreibung <ch> repräsentiert in manchen Fällen die Lautfolge kch
[kx]: trinchit. In anderen Fällen wie erdrîchu
(Tatian 15,5) hat <ch> denselben
Lautwert wie im Neuhochdeutschen in entsprechender Stellung. Dieser Lautwert
wird im Althochdeutschen vor Konsonant und im Wortauslaut durch bloße
<h>-Schreibung
ausgedrückt: kneht, wuohs (Tatian 12,1), gilîh (148,1).
Im Anlaut und intervokalisch (am Silbenanfang) repräsentiert <h> den Hauchlaut: heim (Tatian
12,2), spâhidu (Tatian 12,1).
Die Schreibung <s> verweist auf einen s-Laut (uuas Tatian 12,1); die Schreibungen <z> und <zz> wie in thaz (Tatian
12,2) und uuazzar (Tatian 87,3) bezeichnen, wie oben gesehen, ebenfalls
einen s-Laut, der aber wohl im Althochdeutschen in der Aussprache von dem
anderen s-Laut unterschieden wurde.
Für den Lautwert [f] standen im Althochdeutschen die
Schreibungen <f> und <v> zur Verfügung, wobei <v>
auch mit <u> wechseln konnte: fol
(Tatian 12,1), uolliste = folliste.
<u>
und <v> drücken schließlich allein und in
verschiedenen Kombinationen den Lautwert [w] aus: zuelif (Tatian 12,2), uuârlâcho
(Tatian 12,1), vvuohs (Tatian 12,1).
E Þ Für die
Analyse einzelner Wortformen und die korrekte Ershließung von
grammatischen und lexikalischen Bedeutungen sind außer den hier
vorgegebenen Kommentaren und Musterlösungen folgende Grammatiken und
Lexika zu konsultieren:
Im Internet:
http://mdz.bib-bvb.de/digbib/lexika/adelung
http://germa83.uni-trier.de/DWB
http://www.cis.uni-muenchen.de/ahdeutsch/lexikon.html
http://gaer27.uni-trier.de/MWV-online/
2. Erschließung althochdeutscher Texte mit
Grammatik und Wörterbuch.
2.1. Grammatische
Problemfälle im Text.
Die Form uuestut (Tatian 12,7) ist aufgrund der
Endung und des Personalpronomens ir im Kontext als 2.Person Plural zu
bestimmen, -ut ist die Endung des Indikativs Präteritum starker
Verben und schwacher jan-Verben. Wie das vorausgehende t
zeigt, ist die Form schwach gebildet.
Aus dem Kontext ist zu erkennen, dass es sich um das Verb
nhd. wissen handeln muss. Zu diesem althochdeutschen
Präterito-Präsens lautet das Präteritum wissa. Die Frage
an die Grammatik lautet also, ob es auch eine Form westa gibt. Die „Althochdeutsche
Grammatik“ von W.Braune - H. Eggers gibt zu weiz folgende Auskunft:
Anm. 1. Im Praet. ist wissa allgemein obd.
(noch bei N); wëssa und wësta sind fränk. (T, O), wista
ist selten, in älterer Zeit nur bei Is und in M (neben obd. wissa) belegt.
Bemerkenswert in den S. Pauler Gll (Gl l, 737) ni uuisotot ir 'nesciebatis',
mit nochmaliger Anfügung der alem. Endung -ôt (statt niwissôt
ir). — Vgl. § 31 A. 2; Franck § 209, 1.
Die Form westa, hier 2.Person Plural westut, ist
somit als fränkische Nebenform bestimmt, die gerade auch für die
vorliegende Quelle (Tatian) genannt wird.
Die Form bispurnês (Tatian 15,4) ist
aufgrund der Endung und des Personalpronomens thû im Kontext als
2.Person Singular zu bestimmen. Das lange ê weist auf Konjunktiv
Präsens. Als Infinitiv wäre bispurnen, schwaches jan-Verb,
anzusetzen. Es könnte aber auch ein schwaches ên-Verb vorliegen.
Das „Althochdeutsche Wörterbuch“ von R.Schützeichel bestimmt aber bispurnan
als starkes Verb. Dem Konsonantismus nach (Liquid + Konsonant) müsste
das Verb in Reihe IIIb gehören, wozu aber der Wurzelvokal im Infinitiv
nicht passt. Das Wortregister der „Althochdeutschen Grammatik“ von W. Braune -
H. Eggers führt an die Stelle, an der die Reihe IIIb behandelt ist (§ 337
A.5):
Nur bei O findet sich zweimal i als Praesensvokal: firspirnit (Ind.
Praes.) u. firspirne (Opt. Praes.). An 3 anderen Stellen aber lautet der
Opt. Praes. firspurne (Hs V), in einem Falle davon ist in Hs V i zu u korrigiert, in einem andern
hat Hs P ursprüngliches firspirne korrigiert in firspyrne: O scheint also nicht ganz reines u
gesprochen zu haben (vgl. § 22; Kelle 63, 5).
Das Verb ist also hinsichtlich seines Infinitiv-
und Präsens-Vokals eine Ausnahme zu Reihe IIIb.
2.2. Zum Nachschlagen in althochdeutschen
Wörterbüchern.
Die Form eldiron (Tatian 12,1)
ist als Subjekt zu der Verbform fuorun zu bestimmen. Es muss sich also
um ein Substantiv im Nominativ Plural handeln. Wenn man die vermutete Bedeutung
„Eltern“ im Wörterbuch kontrollieren will, stößt man im „Althochdeutschen
Wörterbuch“ von R. Schützeichel (S. 122) an der Stelle eld- auf
einen Verweis nach elf-. Das heißt, dass die mit der
Buchstabenfolge eld- beginnenden Schreibungen wie elf- eingeordnet
sind. Entsprechend findet sich auch der Eintrag eldiron nach elten,
eltî:
(h)elten sw. V.,
(ver)zögern, verlängern;
versäumen, unterlassen; vorenthalten О.
eltî,
altî- st. F., Alter, Dauer; alte Art, altes Wesen. N. NG. O.
eldiron, elthiron sw. M. PL,
Eltern. OT. T.
Das
Wörterbuch verfährt also folgendermaßen:
- Die
Form eldiron aus Tatian 12,1 wird so in einen Ansatz gebracht.
- Die Form eldiron wird aber nicht ihrer
Schreibung gemäß alphabetisch eingeordnet. Vielmehr wird sie so
eingeordnet, als ob sie mit t geschrieben wäre. Scheinbar ist so
das Alphabet gestört.
- Es ergibt sich aber aus der Abfolge elm-, elna- usw.
schließlich eindeutig, dass eldiron an der Stelle von eltiron steht.
- Durch dieses Verfahren steht eldiron bei elten,
eltî, wohin es auch etymologisch gehört. Es wäre denkbar,
dass es in anderen Texten mit t-Schreibung belegt wäre.
Das Einordnungsprinzip des Wörterbuchs beruht auf
einem angenommenen einheitlichen ostfränkischen Lautstand. Soweit die
Belege einen Ansatz in ostfränkischer Gestalt ergeben, wird dieser an den
Artikelanfang gestellt. Soweit das nicht der Fall ist, bildet eine andere
belegte Form den Ansatz. Damit das Wort von der belegten Form aus gefunden
werden kann, sind Verweise eingefügt.
Wo ein regelmäßiges Nebeneinander von Veränderungen in
vielen Wörtern auftritt, gibt das Wörterbuch pauschale Verweise, zum
Beispiel am Anfang des Buchstaben K: S. auch G. Derartige Verweise sind bei
oberdeutschen Texten zu berücksichtigen.
2.3. Lexikalische Problemfälle im Text.
Ahd. ther kneht - nhd. der Knecht.
Das althochdeutsche Wort kneht in der
Tatian-Stelle (12,1) Ther kneht uuarlîcho vvuohs ist
ausdrucksseitig ohne weiteres mit nhd. Knecht zu identifizieren.
Schreibung und Lautung des Wortes haben sich nur wenig verändert
(Großschreibung, ch- Schreibung). Im Hinblick auf den durch die
Überschrift vermittelten Kontextbezug auf den zwölfjährigen
Jesus erscheint die Annahme einer Bedeutungsgleichheit von ahd. kneht und
nhd. Knecht jedoch fraglich. Die lateinische Vorlage liefert als
Ausgangswort der althochdeutschen Übersetzung puer 'Knabe'. Die
neuhochdeutsche Übersetzung des althochdeutschen Wortes kneht durch
'Knabe' wird im 'Althoch- deutschen Wörterbuch' von R. Schützeichel
bestätigt:
kneht, kneth, c(h)neht, c(h)anêt, knêt, gneht st.
M., Knabe, Kind; Diener, Jün- ger: Krieger, Soldat, Mann.
Dieser Artikel enthält graphische und lautliche
Varianten des Wortes, die grammatische Bestimmung als maskulines Substantiv mit
starker Flexion, Bedeutungsangaben für die Texte, in denen das Wort im
Althochdeutschen auftritt.
Nhd. Knecht
und der Bedeutungswandel.
Als Bedeutungen des neuhochdeutschen Wortes Knecht
werden im „Duden. Deutsches Universalwörterbuch“ angegeben (S. 851):
Knecht, der; -[e]s, -e [mhd., ahd. kneht =
Knabe; Diener; urspr. wahrsch. = Stock, Knüppel, vgl. Knabe]: 1.
(veraltend) männliehe Person, die für einen Bauern arbeitet, auf
einem Bauernhof angestellt ist: der große Hof beschäftigte drei
-e; sich als K. verdingen; Ü• ein K. Gottes (dichter.;
gläubiger Mensch, der sich in seinem Denken u. Handeln Gott
unterwirft). 2. (meist abwertend) jmd., der [willenlos] Befehlen od.
Zwängen zu gehorchen hat: Herr und K.; ein K. der Herrschenden sein
Der Vergleich der neuhochdeutschen Bedeutungen mit den
althochdeutschen Bedeutungen desselben Wortes lässt einen Bedeutungswandel
erkennen, der eine Übersetzung von ahd. kneht mit nhd. Knecht ausschließt.
Den Bedeutungswandel dokumentieren historische
Wörterbücher, wie beispielsweise das „Deutsche Wörterbuch“ von
H. Paul - H. Henne - G. Objartel, Tübingen 1992 (S. 468):
Knecht ahd. mhd. kneht, wgerm. (engl. knight
>Ritter<), berührt sich in der Bed. urspr. nahe mit Knabe,
Knappe. Die Bedeutungen >männliches Kind< und >junger
Mann< setzen sich in der Literatur bis ins 16. Jh. fort und leben in Resten
noch mundartlich. Doch tritt frühzeitig der Bezug auf dienende Stellung in
den Vordergrund. Mhd. erscheint K. häufig in dem gewöhnlichen
Sinn von Knappe auch für den ritterbürtigen (edeler kneht,
Edelknecht). Mit dem Aufkommen des Söldnerwesens die Bed.
>Soldat<, nicht bloß in Zuss. wie Kriegs-, Lands-, Fußk. (fnhd.),
sondern auch für sich stehend. Wie Knappe war K. Bez.
für den Gesellen in verschied. Handwerken; Beckmann, Techn. (1777) VI
nennt Müller, Bäcker, Schuster, Brauer, Gerber; Müllerk. noch
bei Goe. Auch Beamte in öffentl. Diensten hießen K.: Amts-,
Stadt-, Kirchenk. u.dgl. Allmählich wurde es auf niedrige Stellungen
beschränkt, nicht mehr den Gegensatz zu Meister, sondern nur zu Herr bildend, außerdem durch das als
vornehmer geltende Diener zurückgedrängt. Es blieb für
die in der Landwirtschaft beschäftigten Leute (wie Magd veraltend),
aber auch für andere Stellungen: Haus-, Boots-, Fuhr-, Reit-, Brau-,
Schinderk. Andererseits ist K. in der älteren Zeit auch
geradezu >Unfreier, Sklave<, genauer (leib)eigener K.
Bedeutungswandel ist, wie die Veränderung von Lauten
und Flexionsformen, Bestandteil der Sprachgeschichte. Die Personenbezeichnungen
zeigen über das Beispiel kneht hinaus vielfältige Formen des
Bedeutungswandels, wie die Bedeutungsangaben zu den althochdeutschen
Wörtern im Vergleich zur Bedeutung ihrer neuhochdeutschen lautlichen
Entsprechungen zeigen:
|
ahd. magad
'Jungfrau' |
nhd. Magd |
|
ahd. wîb 'Frau,
Mädchen' |
nhd. Weib |
|
ahd. thiorna 'Jungfrau,
Mädchen' |
nhd. Dirne |
|
ahd. frouwa '(vornehme,
hohe) Frau, Herrin' |
nhd. Frau |
Die lautliche Identifikation eines althochdeutschen
Wortes im Neuhochdeutschen ist eine wichtige Hilfe bei der grammatischen Bestimmung
und beim ersten Verstehen des Textes. Es muss aber im grammatischen Bereich
prinzipiell mit Veränderungen gerechnet werden, zum Beispiel dem
Übergang von der starken zur schwachen Flexion beim Verb. Ebenso muss mit
dem Bedeutungswandel gerechnet werden, der gerade häufig gebrauchte
Wörter erfasst haben kann. Nach dem ersten Schritt der lautlichen
Identifikation von ahd. kneht mit nhd. Knecht muss also stets der
zweite Schritt der Kontrolle in den Wörterbüchern erfolgen, welche
Bedeutung das betreffende Wort im Althochdeutschen tatsächlich gehabt hat.
TEXTTEIL
Der althochdeutsche “Tatian“
12. 1 – 9. (Der zwölfjährige
Jesus im Tempel)
12;1 Ther kneht
uuârlîcho vvuohs inti strangêta fol spâhidu, inti gotes
geba uuas in imo, inti fuorun sîne eldiron giiâro in Hierusalem in
itmâlemo tage ôstrôno.
12,2 Inti mit thiu
her uuard giuuortan zuelif iâro, in ûfstîgantên zi
Hierusalem after thero giuuonu thes itmâlen tages, gifultên tagun
mit thiu sie heim vvurbun, uuonêta ther kneht Heilant in Hierusalem, inti
ni forstuontun thaz sîne eldiron.
12,3 Uuântun
in uuesan in thero samantferti, quâmun eines tages uueg inti suohtun inan
untar sînen mâgun inti sînen kundon inti inan ni findanti
fuorun uuidar zi Hierusalem inan suochenti.
12,4 Uuard thô, after thrîn tagun fundun
inan in themo temple sizzantan untar mittên thên
lêrârin, hôrantan thie inti frâgêntan.
12,5
Arquâmun thô alle thie inan gihôrtun ubar sînan
uuîstuom inti sîn antvvurti, inti sehente vvuntorôtun.
12,6 Thô
quad sîn muoter zi imo: „sun, ziu tâti thû uns sô? ih inti thîn fater sêrênte suohtumês
thih“.
12,7 Inti her
quad zi in: „uuaz ist thaz ir mih suohtut? ni uuestut
ir, thaz in thên thiu mînes fater sint gilimphit mir uuesan?“
12,8 Inti sie ni
forstuontun thaz uuort thaz her sprah zi in, inti nidarstîgenti mit in
quam zi Nazareth, uuas in untarthiutit.
12,9 Inti sîn
muoter bihielt allu thisu uuort in ira herzen, inti ther heilant thêh in
spâhidu inti in altere inti in gebu mit gote inti mit mannun.
Anmerkungen zum
Text:
12,2: uuard:
werdan hat hier Hilfsverbfunktion und ist mit 'sein' zu
übersetzen.
zuelif
iâro: nach Kardinalzahl (hier zuelif) steht das
Substantiv im Genitiv (Genitivus partitivus; hier: Gen. Plur. von iâr).
in
ûfstîgantên: Die
Dativ-Plural-Formen in (Personalpronomen der 3. Per- son) und ûfstîgantên
(flektiertes Part. Präs. des starken Verbs ûfstîgan) sind Nachbildungen der
lateinischen Ablativ-Konstruktion. Das Part. Präs. ist wie ein Adjektiv
flektiert (hier: Dat. Plur. Mask., pronominal stark). Bei der Übersetzung
sind solche Konstruktionen in Nebensätze aufzulösen; hier kann dieser
Nebensatz parallel zu dem vorangehenden gebildet werden: "Und nachdem er
zwölf Jahre alt geworden war, und sie nach Jerusalem hinaufgestiegen waren
... "
gifultên
tagun: Hier gilt
dasselbe wie für in ûfstîgantên.
12,3: in uuesan: Der Akk. Sing. des Personalpronomens der 3. Pers. Mask. in und
der Infinitiv wesan sind der lateinischen
Akkusativ-Infinitiv-Konstruktion nachgebildet. Bei der Übersetzung sind
solche Konstruktionen in ent- sprechende Nebensätze aufzulösen:
"Sie glaubten, dass er ... sei" oder "Sie glaubten, er sei ... ".
12,4: fundun:
normalahd. funtun zum starken Verb findan. Die Form fiindun (3. Pers. Plur,
Ind. Prät.) zeigt Ausgleich des grammatischen Wechsels.
inan
... sizzantan ... hôrantan ... frâgêntan: Die Partizip-Präsens-Formen
beziehen sich auf das Personalpronomen der 3. Pers. Akk. Mask. inan und
sind adjektivisch flektiert. sizzantan und hôrantan sind
ferner Varianten zu sizzentan und hôrentan.
12,5: sehente: Die Form ist ein flektiertes Part. Präs, zum starken Verb
sehan. Sie zeigt die starke Adjektivendung -e (Nom. Plur. Mask.),
ferner ist im Vergleich zum eigentlichen Part. Präs. sehanti durch
das i der Endung das a zu e
umgelautet worden.
12,6: ziu: Die Form ist kontrahiert aus zi und wiu, einer besonderen Kasusform
(Instrumental) des Interrogativpronomens waz; ziu bedeutet 'warum'.
tâti: 2. Pers.
Sing. Ind. Prät. zu tuon, einem unregelmäßig flektierten
Verb. Es ist hier in Verbindung mit dem Dativ uns zu übersetzen als
'verfahren mit (jemandem)'.
suohtumês: normalahd. suohtun. Die Variante
mit der Endung -mês im Ind. Prät. 1. Pers. Plur. ist aus dem
Präsens übertragen.
12,7: uuestut: normalahd. wissut. Die
vorliegende Variante ist fränkisch.
thên, thiu: Pluralformen
zu thaz, sie sind
hier - wie auch sonst häufig - singularisch zu übersetzen.
12,9: ira: Personalpronomen der 3. Pers. Ferm. im
Gen. Sing. Die Form füngiert als Ersatz für das im Althochdeutschen
fehlende Possessivpronomen des Fem. Sing.
15. 1 – 6. (Die Versuchung)
15,1 Thô ther
heilant uuas gileitit in vvuostinna fon themo geiste, thaz her vvurdi
gicostôt fon themo diuuale.
15,2 Inti mit
thiu her thô fastêta fiorzug tago inti fiorzug nahto, after thiu
hungirita inan.
15,3 Gieng
thô zuo thie costâri inti quad imo: „oba thû gotes sun
sîs, quid thaz these steina zi brôte uuerdên“. Her
antlingôta thô inti quad: „iz ist giscriban, thaz in themo einen
brôte ni lebêt thie man, ûzouh fon iogiuuelîhemo uuorte
thaz thâr framquimit fon gotes munde.
15,4 Thô
nam inan ther diuual in thie heilagûn burg inti gisazta inan ubar
obanentîga thekkî thes tempales inti quad imo: „oba thû gotes
sun sîs, senti thih thanne hera nidar; iz ist giscriban, thaz her
sînên engilun gibiote fon thir, thaz sie mit iro hantun thih
nemên, zi thiu thaz thû ni bispurnês in steine thînan
fuoz“. Thô quad imo ther heilant: „ouh ist giscriban, thaz thû ni
costôs truhtîn got thînan.
15,5 Abur nam
inan ther diuual thô in hôhan berg thrâto inti araugta imo
allu thisu erdrîchu inti iro diurida inti quad imo: „thisu allu gibu ih
thir, oba thû nidarfallenti betôs mih“. Thô quad imo ther
heilant: „far Satanas! iz ist giscriban, thaz
thû truhtîn got thînan betôs inti imo einemo
thionôs.
15,6 Inti
gientôtero allero theru costungu thô furliez in ther diuual zi
sihuuelîheru zîti; uuas her thô mit uuildirun, giengun
thô zuo gotes engila inti ambahtitun imo.
Anmerkungen zum Text:
15,2: fastêta: Die althochdeutschen Prätertitumsformen erfüllen
verschiedene temporale Funktionen. Der Kontext lässt erkennen, dass hier
die Vorvergangenheit angesprochen ist; zu übersetzen ist: "...
gefastet hatte".
fiorzug: Kardinalzahl,
danach steht das Substantiv im Genitiv (Genitivus partitivus).
15,3: thie: Nebenform zu ther.
sîs: 2. Pers. Sing.
Konj. Präs. des unregelmäßig flektierten Verbs sîn. Die
Verwendung des Konjunktivs ist im Althochdeutschen und im Neuhochdeutschen
unterschiedlich geregelt; hier ist indikativisch zu übersetzen.
15,4: iro: Personalpronomen der 3. Pers. Plur. im Genitiv. Die Form
füngiert als Ersatz für das im Althochdeutschen fehlende
Possessivpronomen im Plural aller Genera.
bispurnês: Die Form
gehört zum starken Verb bispurnan, einem Sonderfall der Ablautreihe
IIIb mit u im Infinitiv, Präsens und Partizip Präteritum.
15,5: erdrîchu: Akk. Plur. zu thaz erdrîchi (ja-Stamm).
15,6: gientôtero aller o theru costungu: Dativ-Singular-Konstruktion, die
dem Lateinischen nachgebildet ist; man vergleiche dazu die Anmerkung zu Tatian
12,2.
uuildirun: Dat. Plur. zu thaz
wild.
87. 1 – 5. (Christus und die Samariterin)
87,1 Gilamf inan
uaran thuruh Samariam. Inti quam thô in burg Samariae thiu dâr ist
giquetan Sychar, nâh uodile den dâr gab Iacob Iosebe sînemo
sune. Uuas dâr brunno Iacobes. Der heilant uuas giuueigit fon dero
uuegeuerti, saz sô oba themo brunnen; uuas thô zît nâh
sehsta.
87,2 Quam thô
uuîb fon Samariu sceffen uuazzar. Thô quad iru der heilant: „gib
mir trinkan“. Sîne iungoron giengun in burg, thaz sie muos couftîn.
Tho quad imo uuîb thaz samaritânisga: „uueo thû mit thiu
Iudeisg bis trinkan fon mir bitis, mit thiu bin uuîb samaritanisg? ni
ebanbrûchent Iudei Samaritanis“.
87,3 Thô
antlingita ther heilant inti quad iru: „oba thû uuessîs gotes geba
inti uuer ist thê dir quidit: gib mir trinkan, thû odouuân
bâtîs fon imo thaz hê dir gâbi lebênti uuazzar“.
Thô quad imo thaz uuîb: „hêrro, thû nû ni
habês mit hiu scefês inti thiu fuzze teof ist: uuanân
habês lebênti uuazzar? Eno thû bistû mêra
unsaremo fater Iacobe thê dâr gab uns den phuzi: her tranc fon imo
inti sîna suni inti sîn fihu“.
87,4 Thô antuurtanti
der heilant in quad iru: „giuuelîh dê dâr trinkit fon
uuazzare thesemo, thurstit inan abur, dê dâr trinkit fon thesemo
uuazzare thaz ih gibu, ni thurstit zi êuuidu, ouh uuazzar thaz ih imo
gibu ist in imo brunno uuazzares ûfspringanti in êuuîn lîb.
87,5 Thô quad
zi imo thaz uuîb: „hêrro, gib mir thaz uuazzar, thaz mih ni thurste
noh ni queme hera scephen“. Thô quad iru der heilant: „uar inti halo
thînan gomman inti quim hara“. Antuurtanti daz uuîb inti quad: „ni
habu gomman“. Thô quad iru der heilant: „uuola quâdi thaz thû
ni habês gomman: thû habêtôs finf gomman, inti den
thû nû habês nist dîn gomman: thaz quâdi dû
uuâr“. Thô quad imo daz uuîb: „hêrro, ih gisihu daz
thû uuîzogo bist. Unsara fatera in thesemo berge betôtun,
inti ir quedent, uuanta in Hierusalem ist stat dâr gilimphit zi
bettônne“.
Anmerkungen zum Text:
87,2: bis: 2. Pers. Sing. Ind. Präs. des
Verbs sîn; seltene Variante zu bist.
87,3: wessîs: fränkische Variante zu wissîs.
thê: Nebenform zu thêr.
sîna: -a ist eine ältere Variante zu
-e (sîne).
87,4: in: Variante zu inti.
habu: Variante zu habên,
1. Pers. Sing. Ind. Präs.
nist: kontrahierte Form aus ni und ist.
quedent: Variante zu quedet, 2. Pers. Plur. Ind. Präs.
87,5: bettônne: Dativ des Infinitivs.
148. 1 – 8. (Die fünf klugen und
die fünf törichten Jungfrauen)
148,1 Thanne
gilîh ist himilo rîhhi zehen thiornôn, thio intfâhenti
iro liohtfaz giengun ingegin themo brûtigomen inti brûti.
148,2 Fimui fon
thên uuârun dumbo inti fimui uuîso. Oh fimf dumbo
intfanganên liohtfazzon ni nâmun oli mit in, thio
uuîsûn uuârlîhho intfiengun oli in iro faz mit
liohtfazzon.
148,3 Tuuuâla
tuonti themo brûtigomen naffezitun allo inti sliefun. In mitteru naht
ruoft uuard gitân: „sênu nû cumit ther brûtigomo,
gêt ingegin imo!“
148,4 Thô
erstuontun allo thio thiornûn inti gigarauuitun iro liohtfaz.
148,5 Thio tumbun
thên spâhôn quadun: „gebet uns fon îuuueremo ole,
bithiu uuanta unseru liohtfaz sint erlosganu“. Thô antlingitun thio
uuîsûn quedento: „min odouuân ni ginuhtsamo uns inti
îu: gêt mêr zi thên forcoufentôn inti coufet iu!“
148,6 Thô sio
fuorun coufen, quam ther brûtigomo, inti thio dar garauuo uuârun
ingiengun mit imo zi theru brûtloufti, inti bislozzano uuârun thio
duri.
148,7 Zi iungisten
quâmun thio andro thiornûn quedenti: „trohtîn, trohtîn,
intuo uns!“ Her thô antlingita, quad: „uuâr quidih îu, ih ni
uueiz iuuuih.
148,8 Uuahhêt
giuuesso, uuanta ir ni uuizzut then tag noh thia zît.
Anmerkungen zum
Text:
148,2: liohtfazzon: Variante zu liohtfazzum, Dat. Plur.
148,3: Tuuuâla tuonti: Anstelle des zu erwartenden Dat. tuontemo
steht hier die Nullform des Part. Präs. zu tuon. Bedeutet 'sich verspäten'.
cumit: Variante zu quimit
(Inf. queman); der
Infinitiv lautet cuman.
148,5: unseru, erlosganu: Die Endung -u ist eine
Variante zu -iu (Nom. Plur. Neutr., pronominal stark). Das Part.
Prät. erlosganu (Infinitiv erlescan) ist adjektivisch
flektiert, und zwar in Kongruenz mit dem Subjekt des Satzes unseru liohtfaz.
Das starke Verb erlescan gehört einer Sondergruppe der
Ablautreihe IIIb an: Das r bzw. hier das l steht in dieser Sondergruppe nicht nach dem Stammvokal (wie etwa
bei werfan oder helfan), sondern davor: erlescan, erliscu,
erlasc, erluscun, erloscan.
ginuhtsamo: Das
Subjektpronomen steht im Althochdeutschen häufig nicht; zu ginuhtsamo ist
daher 'es' zu ergänzen: 'Damit es nicht vielleicht für uns und
für euch nicht genüge.'
148,7: quidih: kontrahierte Form aus quidu ih.
AUFGABENTEIL
A. Vorbereitungsaufgaben.
ü
Inwiefern kann man „Althochdeutsch“ als
eine Sammelbezeichnung verstehen?
ü
Was versteht man unter dem
Primärumlaut? (Definition und Beispiele)
ü
Wie ist dieser zeitlich einzuordnen?
ü
Was versteht man unter dem
Sekundärumlaut? (Definition und Beispiele)
ü
Warum ist die von Jacob Grimm
eingebrachte Bezeichnung "Rückumlaut" irreführend?
ü Welche ahd. Mundarten werden
als Oberdeutsch bezeichnet:
a) Alemannisch, Bairisch; Süd-
und Ostfränkisch;
b) Rheinfränkisch,
Mittelfränkisch;
c) Niedersächsisch,
Thüringisch, Hessisch;
ü Wann und in welchen
Mundarten begann die 2. Lautverschiebung:
|
a) Im 5./6. Jh. im Bairischen und Alemannischen; b) Im 8./9. Jh. im Süd- und
Ostfränkischen; |
|
c) Im 7.Jh. im Hessischen und Thüringischen. |
ü Geben Sie die richtigen
Korrelationen an!
Germanisch Ahd.
|
a) p, t, k |
b, d, g |
|
b) p, t, k |
ff(f), zz(z), hh(h) |
|
c) p, t, k |
pf, tz, kch |
|
d) b, d, g |
p, t, k |
|
e) b, d, g |
f, s, h |
ü Welche Art des Vokalwechsels
ist in folgenden ahd. Beispielen vertreten:
slahan - slehit
gast - gesti
alt - eltiro
a) Primärumlaut
b) Sekundärumlaut
c) Brechung
ü Welche Kasus besaß das
Ahd.?
a) Nominativ, Genitiv, Dativ,
Akkusativ, Vokativ
b) Nominativ, Genitiv, Dativ,
Instrumental, Akkusativ
c) Nominativ, Genitiv, Dativ,
Lokativ, Akkusativ
ü Bestimmen Sie den
Sekundärumlaut!
a)
geste
b)
nehte
c)
hende
ü Welche Konsonantenphoneme gab
es im Ahd. nicht?
a)
[ts]
b)
[z]
c)
[∫]
d)
[s]
e)
[kw]
f)
[pf]
ü
Bestimmen Sie die richtigen Kombinationen für die
Deklination der ahd. Adjektive!
a) starke oder nominale;
b) schwache oder nominale;
c) starke oder pronominale;
d) schwache oder pronominale;
ü Welche ahd. Vokale sind als
„kurze Vokale“ zu bezeichnen?
a)
Vokale mit Zirkumflex;
b)
Vokale ohne Zirkumflex;
c)
Vokale in geschlossenen Silben.
ü In welchen Wortpaaren findet
grammatischer Wechsel statt?
a)
lang – lengiro;
b)
kiosan – kuri;
c)
elilenti – ellenti.
ü Welche Tempora besaß
das ahd. Verb?
a)
Präsens, Präteritum, Perfekt;
b)
Präsens; Präteritum; Futurum;
c)
Präsens, Präteritum.
ü
Erläutern Sie an Hand der
Durchsetzung der althochdeutschen Lautverschiebung die Gliederung des deutschen
Sprachgebietes! Nutzen Sie eine Karte. Benennen Sie die Sprachlandschaften!
ü
Worin besteht der Unterschied zwischen
den schwachen und starken Verben (in Bezug auf das Althochdeutsche)?
ü
Schwache
Verben sind im Unterschied zu starken Verben von anderen Wörtern
abgeleitet. Es wird also eine direkte Beziehung zwischen schwachen Verben und
Wörtern anderer Wortart sichtbar. Bestimmen Sie die Ableitungsbasis
folgender Verben!
strangêta, gifultên, woneta, wântun,
suohtun, frâgêntan, wuntorôtun, sêrênte
Beispiel: strangêta ← strang Adj. „stark“.
ü Bestimmen Sie die semantische Funktion der Suffixe
-jan, -ôn, -ên bei den folgenden
abgeleiteten Verben! Bestimmen Sie die Ableitungbasis!
E Þ Die Wortbildungsparaphrase, das heisst die Umschreibung
der Bedeutung der abgeleiteten Wörter unter Verwendung der Bedeutung der
zugrundeliegenden Wörter, erbringt folgende Ergebnisse: bei den jan-Verben
ergibt sich in vielen Fällen eine Umschreibung mit 'machen'. Verben mit
dieser Bedeutungsfunktion nennt man Faktitiva oder Kausativa. Die ôn-Verben
lassen sich vielfach durch 'versehen mit' wiedergeben. Diese Verben nennt man
Ornativa. Bei den ên-Verben ergibt sich oft die Möglichkeit,
mit 'werden' zu umschreiben (faulen = 'faul werden'). Solche Verben
nennt man Inchoativa.
|
trinkan 'trinken' |
trenken 'tränken' |
|
leiten 'führen' |
lîdan 'fahren' |
|
fuoren 'führen' |
faran 'gehen' |
|
tuomen 'urteilen' |
tuom 'Urteil' |
|
heilen 'heilen' |
heil 'gesund' |
|
salbôn 'salben' |
salba 'Salbe' |
|
lobôn 'loben' |
lob 'Lob' |
ü
Arbeiten Sie aus dem Textbeispiel „Tatian“
12 (1 – 9) die typischen sprachlichen Merkmale des Althochdeutschen heraus!
ü
Lesen Sie die
Texte laut! Beachten Sie die im methodischen Teil angegebenen Hinweise zur
Aussprache und Betonung der althochdeutschen Wörter!
B. Aufgaben zu den Texten
Übungsaufgabe
1
Bestimmen
Sie die starken Verben im Textabschnitt Tatian 12 und 15!
E Þ Grammatische Bestimmung von Formen starker Verben.
Um eine in einem althochdeutschen Text vorkommende Form
eines starken Verbs bestimmen zu können, sind folgende Kenntnisse
erforderlich:
Die Rückführung der im Text belegten
flektierten Form auf den Infinitiv erlaubt die Ermittlung der Bedeutung im
Wörterbuch; die Formenbestimmung nach den grammatischen Kategorien und die
Berücksichtigung des Kontextes ermöglichen ihre richtige syntaktische
Einordnung.
Beispiel der
Analyse: Die Form fuorun (Tatian 12,1) ist zunächst
aufgrund ihrer Endung -un als 1. oder 3. Person Plural Indikativ
Präteritum zu bestimmen (s. Tabellen und Übersichten). Der Diphthong uo
in dieser Flexionsform weist in die VI. Ablautreihe; der Infinitiv muss
daher faran lauten. Er ist im „Althochdeutschen Wörterbuch“ von
R.Schützeichel unter f eingeordnet. Für die
vorliegende Stelle ist die Bedeutung „sich begeben“ angemessen; aus dem Kontext
ergibt sich die Bestimmung als 3. Person: „sie begaben sich“.
Formenbestimmungen sollten nach folgendem Muster
angegeben werden:
fuorun: 3.
Pers. Plur. Ind. Prät. des st. V. faran faru fuor fuorun gifaran, VI.
Ablautreihe wegen des Vokalismus a - uo.
Musterlösung:
1. wuohs 3. Pers. Sing. Ind. Prät. des
st.V. wahsan wahsu wuohs wuohsun giwahsan, VI. Ablautreihe wegen des
Vokalismus a - uo.
2. uuas 3. Pers. Sing.
Ind. Prät. des st.V. wesan wisu was wârun (Part. nicht
belegt), V. Ablautreihe wegen des Wurzelvokals a, dem nicht Nasal oder Liquid folgt, mit grammatischem Wechsel s
- r.
3. uuard
3. Pers. Sing. Ind. Prät. des st.V. werdan wirdu ward wurtun
wortan, III. Ablautreihe, Unterklasse b, wegen des Wurzelvokals a, dem Liquid + Konsonant folgt, mit
grammatischem Wechsel d - t und meist mit präfixlosem Part.
Prät.
4. giuuortan
Partizip Präteritum des st.V. werdan (sieh unter 3), das hier ausnahmsweise einmal das Präfix hat.
5. wurbun
3. Pers. Plur. Ind. Prät. des st.V. werban wirbu warb wurbun
giworban, III. Ablautreihe,
Unterklasse b, wegen des Wurzelvokals e, dem Liquid + Konsonant folgt.
7. forstuontun
3. Pers. Plur. Ind. Prät. des st.V. forstantan forstantu forstuont
forstuontun forstantan, VI.
Ablautreihe wegen des Vokalismus a - uo.
Übungsaufgabe
2
Bestimmen
Sie die schwachen Verben im Textabschnitt Tatian 12 und 15!
Musterlösung:
1. strangêta
3. Pers. Sing. Ind. Prät. des sw.V. strangên, strangêta,
gistrangêt (sw. V. wegen des Dentalsuffixes -ta, ên-Klasse
wegen des Bindevokals ê).
2. uuonêta 3. Pers. Sing. Ind. Prät.
des sw.V. wonên, wonêta, giwonêt (wegen des
Bindevokals ê).
3. uuântun
3. Pers. Plur. Ind. Prät. des sw.V. wânen, wânta, giwânit, jan-Verb
mit langer Wurzelsilbe (wegen des Langvokals), daher ohne
Bindevokal, ohne Rückumlaut.
4. suohtun
3. Pers. Plur. Ind. Prät. des sw.V. suohhen, suohta, gisuohhit, jan-Verb
mit langer Wurzelsilbe (wegen des Diphthongs), daher ohne Bindevokal, ohne
Rückumlaut.
Übungsaufgabe
3
Bestimmen
Sie die Präterito-Präsentien im den Abschnitten 12, 15, 87 und 148!
E Þ Zur Bedeutung der Präterito-Präsentien.
Die besonderen
Bedeutungsverhältnisse dieser Verben können durch einen Vergleich mit
lat. vidêre 'sehen'
verdeutlicht werden, das mit ahd. weiz etymologisch
verwandt ist. Der Präteritumsform weiz
hat ursprünglich eine Bedeutung „ich habe gesehen“ entsprochen. Sie
bezeichnet einen Vorgang, der vom Standpunkt des Sprechers aus gesehen
abgeschlossen ist, dessen Ergebnis aber in seine Gegenwart hineinwirkt.
Die Präterito-Präsentien sind wegen ihrer
Bedeutung und wegen ihres häufigen Vorkommens in den Texten wichtig.
Deshalb muss man sich besonders die Fälle einprägen, in denen die
heutige Bedeutung der entsprechenden Verben stark von der Bedeutung im
Althochdeutschen abweicht. Das ist vor allem bei darf „ich bedarf,
brauche“ und bei muoz „ich kann, darf“ der Fall.
Musterlösung:
uuessîs 2. Pers. Sing. Konj. Prät. des
Präterito-Präsens weiz wizzun, Ablautreihe la.
Übungsaufgabe
4
Bestimmen
Sie die Substantive im Textabschnitt Tatian 12 und 87! Notieren Sie sich die
Formen, die nicht in die vier Hauptklassen eingeordnet werden können!
E Þ Beispiele für die Bestimmung althochdeutscher Substantive.
Die Aufgabe der Bestimmung von Wortformen geschieht
in der Regel anhand von Wörtern in Texten. Die Substantive sind nur noch
teilweise durch unmittelbar erkennbare Merkmale in die verschiedenen
Flexionsklassen einzuordnen. Hier hilft der jeweilige Kontext bei der
Bestimmung weiter, wie etwa Kasus und Numerus des begleitenden Artikels oder
die syntaktischen Gegebenheiten (Frage nach dem Subjekt, nach geforderten Ergänzungen
usw.).
Zur genauen Bestimmung eines Substantivs gehört die
Angabe von Kasus, Numerus, Genus und Flexionsklasse. Mit der Kenntnis der
Flexionsklasse lässt sich der Nominativ Singular ermitteln, unter dem das
Wort im Wörterbuch nachzuschlagen ist. Nach diesem Verfahren lassen sich
beispielsweise die Substantive aus dem ersten Tatian-Abschnitt (12,1)
bestimmen.
Musterlösung:
1. Ther kneht: Im Zusammenhang mit dem
begleitenden bestimmten Artikel ther lässt sich kneht als
Nom. Sing. Mask. erkennen. Bestimmung der Flexionsklasse: eine Zuordnung in die
schwache Klasse (n-Stämme) scheidet aus, denn die Endung im Nom. Sing, geht
nicht wie boto auf -o aus. Es handelt sich also um ein starkes
Substantiv. Es kann der a-
oder i-Klasse angehören, da die Singularformen dieser beiden
Deklinationen im Maskulinum übereinstimmen. Eine weitere Spezifizierung
ist anhand der vorliegenden Kriterien hier nicht möglich und auch nicht
notwendig.
2. spâhidu: Die Endung -u ist nur
im Dat. Sing. der starken Feminina der ô-Klasse belegt. Der Nom. Sing.
lautet also spâhida.
3. gotes: Die Endung -es deutet auf
Gen. Sing. Mask. oder Neutr. eines starken Substantivs hin. Der Nom. Sing. muss
folglich got heißen. Das Nachschlagen im Wörterbuch hilft bei
der Festlegung des Genus: Hier wird got als starkes Maskulinum
angegeben. Da das Wort im Singular steht, kann nicht entschieden werden, ob es
zur a- oder i-Klasse
gehört.
4. geba: Anhand des Kontextes kann
geschlossen werden, dass geba im Nom. Sing. steht (Subjekt zu was). Entsprechende
Nominativformen gibt es bei den schwachen Neutra und Feminina sowie bei den
Feminina der ô-Klasse. Das Nachschlagen im Wörterbuch ergibt die
Festlegung als starkes Femininum, also ô-Klasse.
5. eldiron: Die Endung -on kommt im Akk.
Sing. Mask. sowie im Nom. und Akk. Plur. Mask. der n-Klasse vor. Eventuell
kämen auch noch die entsprechenden abgeschwächten Formen der
Dativ-Plural-Endung -ôm (alle Genera der n-Klasse und Feminina der
ô-Klasse)
in Betracht. Der Kontext deutet jedoch auf einen Nominativ Plural hin (Subjekt zu fuorun), es handelt
sich also um ein schwaches Substantiv. Das Wort ist insofern eine Besonderheit,
als es nur im Plural vorkommt, man vergleiche auch nhd. die Eltern. Entsprechend
steht es auch im althochdeutschen Wörterbuch als Nom. Plur. Mask. unter
der Form eltiron.
6. tage: Die Endung -e deutet auf
einen Dat. Sing. eines starken Mask. oder Neutr. hin; der Nom. Sing. lautet tag.
Im Wörterbuch wird das Wort als starkes Maskulinum bestimmt; im
Singular kann keine weitere Bestimmung zur genauen Klassenzugehörigkeit (a-
oder i-Stamm) gemacht
werden. Als Musterwort der Tabelle erweist sich jedoch tag als zur a-Klasse
gehörend.
7. ôstrôno: Die Endung -ôno deutet
auf Gen. Plur. aller Genera der n-Klasse sowie Gen. Plur. der
Feminina der ô-Klasse hin. Hier handelt es sich ebenfalls um ein Wort,
das nur pluralisch belegt ist. Im Wörterbuch findet es sich unter der Form
ostrûn mit der Angabe eines schwachen Femininums. Die Bestimmung
lautet also: Gen. Plur. eines schwachen Femininums (n-Klasse).
E Þ Die meisten
Substantive des Textes lassen sich in ähnlicher Vorgehensweise bestimmen.
Einige Substantive sind jedoch nicht den vier Hauptklassen zuzuordnen; sie
gehören Unterklassen und Sonderfällen der Substantivflexion an.
Übungsaufgabe
5
Bestimmen
Sie die Adjektive und die adjektivisch gebrauchten Partizipien im Textabschnitt
Tatian 12 und 148!
Musterlösung:
1. eldiron
(12,1): substantiviertes Adjektiv, Komparationsform zum Adjektiv alt. Nom.
Plur. Mask., nominal/schwach flektiert. (Bedeutung:
'Eltern'; aufgrund der bereits lexikalisierten Bedeutung erscheint eldiron im
„Althochdeutschen Wörterbuch“ von R.Schützeichel als schwaches
Substantiv.)
2. itmâlemo
(12,1): Adjektiv, Dat. Sing. Mask.,
pronominal/stark flektiert. Nullform: itmâli (ja-/jô-Stamm).
3. ûfstîgantên
(12,2): wie ein Adjektiv flektiertes Partizip Präsens des starken
Verbs ûfstîgan, Dat.
Plur. Mask., pronominal/stark flektiert. In der
Nullform lautet das Partizip Präsens ûfstîganti.
4. itmâlen
(12,2): Adjektiv, Gen. Sing. Mask., nominal/schwach
flektiert. Nullform: itmâli (ja-/jô-Stamm).
5. gifultên
(12,2): wie ein Adjektiv flektiertes Partizip Präteritum des schwachen
Verbs gifullen, Dat.
Plur. Mask., pronominal/stark flektiert. In der
Nullform lautet das Partizip Präteritum gifullit.
ÜBERSICHTEN
Übersicht Nr. 1: Starkes Verb im Althochdeutschen: Ablautreihen
|
|
Infinitiv |
1. Pers.
Sing. Ind. Präs. |
l. u. 3.
Pers. Sing. Ind.Prät. |
l. u. 3.
Pers. Plur. Ind.Prät. |
Part.Prät. |
|
I a) |
rîtan |
ritu |
reit |
ritun |
giritan |
|
b) |
zîhan |
zîhu |
zêh |
zigun |
gizigan |
|
II a) |
biogan |
biugu |
boug |
bugun |
gibogan |
|
b) |
biotan |
biutu |
bôt |
butun |
gibotan |
|
III a) |
bintan |
bintu |
bant |
buntun |
gibuntan |
|
b) |
werfan |
wirfu |
warf |
wurfun |
giworfan |
|
IV |
neman |
nimu |
nam |
nâmun |
ginoman |
|
V |
geban |
gibu |
gab |
gâbun |
gigeban |
|
VI |
faran |
faru |
fuor |
fuorun |
gifaran |
|
VII |
râtan |
râtu |
riet |
rietun |
girâtan |
Übersicht
Nr. 2: Überblick über die Ablautverhältnisse im Althochdeutschen
|
Ablautreihe |
Infinitiv |
1. Pers.
Sing. Ind.
Präs. |
1./3. Pers.
Sing. Ind.
Prät. |
1./3.Pers.
Plur. Ind.
Prät. |
Part.
Prät. |
|
I a |
î +
Kons. (nicht h oder w) |
î |
ei |
i |
i |
|
I b |
î
+ h oder w |
î |
ê |
i |
i |
|
II a |
io + Kons. (nicht h oder Dental) |
iu |
ou |
u |
o |
|
II b |
io + h
oder Dental |
iu |
ô |
u |
o |
|
III a |
i + Nasal + Kons. |
i |
a |
u |
u |
|
III b |
e + Liquid + Kons. |
i |
a |
u |
o |
|
IV |
e + Nasal oder Liquid |
i |
a |
â |
o |
|
V |
e + Kons. |
i |
a |
â |
e |
|
VI |
a + Kons. |
a |
uo |
uo |
a |
|
VII |
â, a, ei, ou, uo oder ô |
â, a, ei, ou, uo oder
ô |
ie |
ie |
â, a, ei, ou, uo oder
ô |
Übersicht
Nr. 3: Starkes Verb im Althochdeutschen: Flexionsformen
|
Infinite
Formen |
Infinitiv Partizip
Präsens Partizip
Präteritum |
werfan werfanti,
werfenti giworfan |
|
Finite Formen |
Präsens |
Präteritum |
|
Indikativ
Sing. |
1. P. ih
wirfu |
warf |
|
|
2. P. thû wirfîs |
wurfî |
|
|
3. P. (h)e(r),
siu, iz wirfit |
warf |
|
Plur. |
1. P. wir
werfemês, werfên |
wurfun |
|
|
2. P. ir
werfet |
wurfut |
|
|
3. P. sie,
sio, siu werfent |
wurfun |
|
Konjunktiv
Sing. |
1. P. ih
werfe |
wurfi |
|
|
2. P. thû
werfês |
wurfîs |
|
|
3. P. (h)e(r),
siu, iz werfe |
wurfi |
|
Plur. |
1. P. wir
werfemês |
wurfîmês |
|
|
2. P. ir
werfêt |
wurfît |
|
|
3. P. sie,
sio, siu werfên |
wurfîn |
|
Imperativ |
2. P. Sing, wirf |
|
Übersicht Nr. 4: Schwaches Verb im Althochdeutschen
|
-jan |
-ôn |
-ên |
|||
|
Infinite Formen |
Inf. |
zellen |
suochen |
salbôn |
habên |
|
Part.
Präs. |
zellenti |
suochenti |
salbônti |
habênti |
|
|
Part.
Prät. |
gizelit |
gisuochit |
gisalbôt |
gihabêt |
|
|
Finite Formen |
Sing. |
1. ih zellu |
suochu |
salbôn |
habên |
|
2.
dû zelis |
suochis |
salbôs |
habês |
||
|
Präs. Ind. |
3. er zelit |
suochit |
salbôt |
habêt |
|
|
Plur. |
1. wir zellemês |
suochemês |
salbômês |
habêmês |
|
|
2. ir zellet |
suochet |
salbôt |
habêt |
||
|
3. sie zellent |
suochent |
salbônt |
habênt |
||
|
Präs. Konj. |
Sing. |
1. ih zelle |
suoche |
salbôe |
habêê |
|
2. dû zellês |
suochês |
salbôês |
habêês |
||
|
3. er zelle |
suoche |
salbôe |
habêê |
||
|
Plur. |
1. wir zellemês |
suochemês |
salbôêmês |
habêêmês |
|
|
2.
ir zellêt |
suochêt |
salbôêt |
habêêt |
||
|
3. sie zellên |
suochên |
salbôên |
habêên |
||
|
Prät. Ind. |
Sing. |
1. ih zelita |
suohta |
salbôta |
habêta |
|
2. dû zelitôs |
suohtôs |
salbôtôs |
habêtôs |
||
|
3. er zelita |
suohta |
salbôta |
habêta |
||
|
Plur. |
1. wir zelitun |
suohtun |
salbôtun |
habêtun |
|
|
2.
ir zelitut |
suohtut |
salbôtut |
habêtut |
||
|
3. sie zelitun |
suohtun |
salbôtun |
habêtun |
||
|
Prät. Konj. |
Sing. |
1. ih zeliti |
suohti |
salbôti |
habêti |
|
2. dû zelitîs |
suohtîs |
salbôtîs |
habêtîs |
||
|
3. er zeliti |
suohti |
salbôti |
habêti |
||
|
Plur. |
1. wir zelitîmês |
suohtîmês |
salbôtîmîs |
habêtîmês |
|
|
2.
ir zelitît |
suohtît |
salbôtît |
habêtît |
||
|
3. sie zelitîn |
suohtîn |
salbôtîn |
habêtîn |
||
|
Imp. |
Sing. |
2. zeli |
suochi |
salbo |
habe |
Übersicht
Nr. 5: Präterito-Präsentien im Althochdeutschen
|
Ablaut-reihe |
Präsens Indikativ
|
Infinitiv
|
Präteritum
Indikativ
|
Bedeutung
|
||
|
1. u. 3. Pers. Sing. |
2. Pers. Sing. |
1. u. 3.
Pers. Plur. |
1. u. 3. Pers. Sing. |
|||
|
I. |
weiz |
weist |
wizzun
eigun |
wizzan |
wissa |
wissen, erkennen, haben, besitzen |
|
II. |
toug |
|
tugun |
|
tohta |
taugen, sich eignen, nützen |
|
III. |
an kann
darf gitar |
kanst
darft gitarst |
unnun
kunnun durfun giturrun |
unnan
kunnan durfan |
onda konda dorfta gitorsta |
gönnen kennen, können bedürfen,
brauchen wagen |
|
IV. |
scal ginah |
scalt |
sculun |
sculan |
scolta |
sollen, müssen, im überfluss haben |
|
V. |
mag |
maht |
magun
mugun |
magan
mugan |
mahta mohta |
können, vermögen |
|
VI. |
muoz |
muost |
muozun |
|
muosa |
können, dürfen |
Übersicht
Nr. 6: Konjugation der
Wurzelverben (athematische Verben)
|
|
Infinitiv |
|||
|
tuon |
gân gên |
stân stên |
sîn wesen1 |
|
|
Indikativ Präsens |
||||
|
Sg. 1 2 3 Pl. 1 2 3 |
tuon, tuo tuost tuot tuon tuot tuont |
gân, gâ gên, gê gâst gêst gât gêt gân gên gât gêt gânt gênt |
stân, stâ stên stâst stêst stât stêt stân stên stât stêt stânt stênt |
bin wise bist wisest ist wiset birn, sоn,
sint wesen birt, sоt weset sоn, sint wesent |
|
Konjunktiv Präsens |
||||
|
Sg. 1 2 3 Pl. 1 2 3 |
tuo tuost tuo tuon tuot tuon |
gâ gê gâst gêst gâ gê gân gên gât gêt gân gên |
stâ stê stâst stêst stâ stê stân stên stât stêt stân stên |
sî wese sîst wesest sî wese sîn wesen sît weset sîn wesen |
|
Indikativ Präteritum |
||||
|
Sg. 1 2 3 Pl. 1 2 3 |
tet, tete taete tet, tete tâten, toeten tâtet tâten |
gienc, gie gienge gienc, gie giengen gienget giengen |
stuont stüende stuont stuonden stuondet stuonden |
was waere was wâren wâret wâren |
|
Konjunktiv Präteritum |
||||
|
Sg. 1 2 3 Pl. 1 2 3 |
taete, tete taetest taete taeten taetet taeten |
gienge giengest gienge giengen gienget giengen |
stüende stüendest stüende stüenden stüendet stüenden |
waere waerest waere waeren waeret waeren |
|
Partizip |
||||
|
Präsens Präteritum |
tuonde getân |
gânde gênde (ge)gân, (ge)gangen |
stânde stênde gestanden, gestân |
sînde wesende gesîn gewesen, gewest |
Anm. 1: "wesen"
ist kein Wurzelverb, sondern ein starkes Verb der Ablautreihe V mit
grammatischem Wechsel.
Übersicht Nr. 7: Das
althochdeutsche Substantiv: Deklinationsparadigmen
|
Klasse |
Maskulinum |
Neutrum |
Femininum |
|||
|
Singular |
Plural |
Singular |
Plural |
Singular |
Plural |
|
|
1 -n |
der boto des boten |
dia boton |
daz herza |
diu herzen |
diu zunga |
dio
zungûn |
|
2 -ô |
|
diu geba |
dio
gebâ |
|||
|
3 -a |
der tag |
dia taga |
daz wort |
diu wort |
|
|
|
4 -i |
der gast |
dia gesti |
|
diu kraft |
dio krefti |
|
Übersicht Nr. 8: Althochdeutsche Adjektivendungen
|
|
Maskulinum |
Neutrum |
Femininum |
|||
|
nominal |
pronominal |
nominal |
pronominal |
nominal |
pronominal |
|
|
Nom. Sg. |
-o |
-êr |
-a |
-az |
-a |
-iu |
|
Nom. Pl. |
-on |
-e |
-un |
-iu |
-ûn |
-o |
Übersicht
Nr. 9: Das althochdeutsche Personalpronomen
|
1. P. Sg. |
2. P. Sg. |
1.
P. Pl. |
2.
P. Pl. |
|
N. ih |
du (dü) |
wir |
ir |
|
G. mîn |
dîn |
unser |
iuwer |
|
D. mir |
dir |
uns |
iu |
|
A. mih |
dih |
unsih |
iuwih |
Übersicht
Nr. 10: Das althochdeutsche Possesivpronomen
Singular
|
Plural
|
|||||
|
Mask. |
Neutr. |
Fem. |
Mask. |
Neutr. |
Fem. |
|
|
N. |
mîn(er) |
miniu |
mîniu |
mîne |
mîniu |
mîno |
|
G. |
mînes |
mînera |
mînero
|
|||
|
D. |
mînemu
(-o) |
mîneru (o) |
mînem
(en) |
|||
|
A. |
mînan |
mina
(az) |
mîna
|
mîne |
mîniu |
mîno |
Übersicht
Nr. 11: Das althochdeutsche Demonstrativpronomen
Singular
|
Plural
|
|||||
|
Mask. |
Neutr. |
Fem. |
Mask. |
Neutr. |
Fem. |
|
|
N. |
der |
daz |
diu |
dê
(dea, dia, die) |
diu |
deo,
dio |
|
G. |
des |
dera (-u, -o) |
dero
|
|||
|
D. |
demu
(-o) |
deru (-o) |
dêm
(-n) |
|||
|
A. |
den |
daz |
dea (dia, die)
|
dê
(dea, dia, die) |
diu |
deo,
dio |
Übersicht
Nr. 12: Das althochdeutsche Interrogativpronomen
|
Sing. |
Maskulinum/ Femininum |
Neutrum |
|
Nom. |
wer |
waz |
|
Gen. |
wes |
wes |
|
Dat. |
wemu,
wemo |
wemu,
wemo |
|
Akk. |
wenan,
wen |
waz |
|
Inhalt |
|
|
Vorwort ........................................................................................................... |
3 |
|
Methodischer Teil
........................................................................................... |
4 |
|
1. Schreibung und Aussprache |
4 |
|
2. Erschließung
althochdeutscher Texte mit Grammatik und Wörterbuch ..... |
7 |
|
2.1. Grammatische
Problemfälle im Text
....................................................... |
7 |
|
2.2. Zum Nachschlagen in
althochdeutschen Wörterbüchern ......................... |
7 |
|
2.3. Lexikalische
Problemfälle im Text
.......................................................... |
8 |
|
Textteil
............................................................................................................ |
11 |
|
Der althochdeutsche “Tatian“ ......................................................................... |
|
|
12. 1 – 9. (Der zwölfjährige Jesus im Tempel)
............................................... |
11 |
|
15. 1 – 6. (Die Versuchung)
............................................................................ |
12 |
|
87. 1 – 5. (Christus und die Samariterin)
........................................................ |
13 |
|
148. 1 – 8. (Die fünf klugen und die fünf
törichten Jungfrauen) .................... |
14 |
|
Aufgabenteil ................................................................................................... |
16 |
|
A. Vorbereitungsaufgaben
.............................................................................. |
16 |
|
B. Aufgaben zu den Texten ............................................................................ |
18 |
|
Übersichten
..................................................................................................... |
22 |
|
Übersicht 1: Starkes
Verb im Althochdeutschen: Ablautreihen
..................... |
22 |
|
Übersicht 2: Überblick
über die Ablautverhältnisse im Althochdeutschen .... |
22 |
|
Übersicht 3: Starkes
Verb im Althochdeutschen: Flexionsformen ................. |
23 |
|
Übersicht 4: Schwaches
Verb im Althochdeutschen
...................................... |
24 |
|
Übersicht 5: Präterito-präsentien
im Althochdeutschen
................................. |
25 |
|
Übersicht 6: Konjugation
der Wurzelverben (athematische Verben) ............. |
26 |
|
Übersicht 7: Das
althochdeutsche Substantiv: Deklinationsparadigmen ........ |
27 |
|
Übersicht 8: Althochdeutsche
Adjektivendungen
........................................... |
27 |
|
Übersicht 9: Das
althochdeutsche Personalpronomen
..................................... |
28 |
|
Übersicht 10: Das
althochdeutsche Possesivpronomen
................................... |
28 |
|
Übersicht 11: Das
althochdeutsche Demonstrativpronomen
........................... |
28 |
|
Übersicht 12: Das althochdeutsche Interrogativpronomen .............................. |
28 |
|
Inhalt ................................................................................................................ |
29 |
Методичні
вказівки та завдання до практичних занять до курсу “Історія німецької мови” (на
основі “Татіана” - пам’ятника давньоверхньонімецької мови)
Пузік Андрій Анатолійович
Редактор:
А.І. Вороб’єва
Комп’ютерна
верстка: А.А. Пузік